Nachtwächterwanderung in Unkel am Rhein

 

am Freitag, 29.08.2014

 

Von Volker geplant und von Anne organisiert, geht´s zur Nachtwächterwanderung nach Unkel.

Wir schließen uns gegen 19.00 Uhr zu Fahrgemeinschaften zusammen und treffen uns am “Weinhaus zur Traube“. Drei geschmückte Tische erwarten uns. Die freundliche Bedienung, das gute Essen und auch der Wein tragen zu einer fröhlichen Stimmung bei. Über uns hängt der Himmel voller Trauben – echte, wohlgemerkt – und ab und zu löst sich ein Blatt von den Ranken und fällt sachte auf uns nieder.

 Gut gestärkt durch ein köstliches Abendessen machen wir uns auf den Weg zu unserer Verabredung mit dem Nachtwächter.

 Um 21.00 Uhr erwarten wir ihn an der Traubenkelter gegenüber der Volksbank. Ein großer stattlicher Herr kommt auf uns zu mit einer Laterne. Er trägt einen grauen Mantel und zeigt uns die Dinge, die er immer bei sich trägt: das Barret (eine flache randlose Kopfbedeckung), die Hellebarde und das Horn.

 Er ist sich seiner Wichtigkeit und Bedeutung zur damaligen Zeit bewusst. Es gab keine Laternen, keine Autos. Die Nächte waren dunkel. Die Ganoven trieben sich in den dunklen Gassen herum. Da gab es den Nachtwächter, der aufpasste, dass nichts passierte.

 Nun führt der Nachtwächter uns an einzelne Plätze, an denen uns Figuren aus der Geschichte Unkels begegnen.

Am Schauweinberg erscheinen uns plötzlich zwischen den Reben zwei Romanfiguren aus den Erzählungen von Leonard Reinirkens:

Bettina von Ewald und Andree Bohn von Bohnenfall.

Zu sehen sind sie in einer wunderschönen Tracht.

Der Unkeler Heimatdichter und Schriftsteller Leonard Reinirkens hat viele Geschichten geschrieben über Unkel und auch viele regelmäßig im WDR erzählt.

Vor etwa einem Jahr ist er verstorben.

Der Nachtwächter führt uns nun weiter in Richtung Rhein. Am Frohnhof, dem ältesten steinernen Gebäude von 1057, begrüßt uns von der Terrasse herab Richeza, die Königin von Polen und Enkelin der Kaiserin Theiphanu.

Wir verbeugen uns ehrerbietig mit einem tiefen Knicks. Sie würdigt es mit einem Lächeln.

Wir gehen weiter am Rhein entlang. Es ist sehr dunkel. Nur die Sterne leuchten. Es ist windstill und angenehm warm.

Und plötzlich steht Ferdinand Freiligrath vor uns – salopp und jugendfrisch. Wir bestaunen sein wunderschönes großes Haus. Im dritten Stockwerk brennt Licht. Dort hat er gerade noch gearbeitet. Nach ein paar lebhaften Redewendungen mit dem Nachtwächter verlässt er uns mit schwungvollen Schritten. Nun führt uns der Nachtwächter auf der dunklen Rheinpromenade weiter zum berühmt–berüchtigten Gefängnisturm. Beethoven soll hier schon eine Nacht gewesen sein, weil er ein Brot gestohlen hätte.

Wie steigen die Steintreppen hoch in das Innere des Turms. Anton Kühlwetter liegt hier an einer Eisenkette. Er jammert erbärmlich. Er erwartet die Todesstrafe. Gerne hätte er einen letzten Kuss vor seinem Tode von einer unseren Damen bekommen. Aber keine hat Erbarmen. Wir verlassen den armen Kerl ungeküsst und steigen wieder hinab in die dunkle Nacht.

Vom Rhein geht es nun wieder ins Städtchen, und zwar zur Vierzehn-Nothelfer- Vikarie, dem Viergiebelhaus. Dort erwartet uns Pastor Gottfried Eschenbrenner.

Er spricht mit dem Nachtwächter über alte Zeiten – mit einigem Humor. Von dem gut gelaunten Herrn verabschieden wir uns.

Und weiter geht es zum Christinenstift – eine Stiftung der Familie Neven-Dumont.

Dann stehen wir vor dem Pax-Heim. Dort hat Konrad Adenauer knapp zwei Jahre im Exil gelebt.

An der Sternenburg werden wir an den Kaufmann Carl Vogts erinnert.

Unsere Nachtwanderung ist leider zu Ende.

Es war ein aufschlussreicher, erkenntnisreicher Abend.

Der Nachtwächter hat uns in humorvoller Weise die Geschichte Unkels, einem liebenswerten, romantischen Städtchen am Rhein, näher gebracht.

Irmgard

Bad Honnef, 11. September 2014